II. Aufzug, 1. Auftritt
Saal - Prinzessin, Tasso.


TASSO
Unsicher folgen meine Schritte dir,
O Fürstin, und Gedanken ohne Mag
Und Ordnung regen sich in meiner Seele.
Mir scheint die Einsamkeit zu winken, mich
Gefällig anzulispeln: komm, ich löse
Die neu erregten Zweifel deiner Brust.
Doch werf ich einen Blick auf dich, vernimmt
Mein horchend Ohr ein Wort von deiner Lippe,
So wird ein neuer Tag um mich herum
Und alle Bande fallen von mir los.
Ich will dir gern gestehn, es hat der Mann,
Der unerwartet zu uns trat, nicht sanft
Aus einem schönen Traum mich aufgeweckt;
Sein Wesen, seine Worte haben mich
So wunderbar getroffen, dass ich mehr
Als je mich doppelt fühle, mit mir selbst
Aufs Neu in streitender Verwirrung bin.

PRINZESSIN
Es ist unmöglich, dass ein alter Freund,
Der lang entfernt ein fremdes Leben führte,
Im Augenblick da er uns wiedersieht
Sich wieder gleich wie ehmals finden soll.
Er ist in seinem Innern nicht verändert;
Lass uns mit ihm nur wenig Tage leben,
So stimmen sich die Saiten hin und wider,
Bis glücklich eine schöne Harmonie
Aufs Neue sie verbindet. Wird er dann
Auch näher kennen was du diese Zeit
Geleistet hast: so stellt er dich gewiss
Dem Dichter an die Seite, den er jetzt
Als einen Riesen dir entgegenstellt.

TASSO
Ach meine Fürstin, Ariostens Lob
Aus seinem Munde hat mich mehr ergetzt
Als dass es mich beleidigt hätte. Tröstlich
Ist es für uns den Mann gerühmt zu wissen,
Der als ein grosses Muster vor uns steht.
Wir können uns im stillen Herzen sagen:
Erreichst du einen Teil von seinem Wert,
Bleibt dir ein Teil auch seines Ruhms gewiss.
Nein, was das Herz im Tiefsten mir bewegte,
Was mir noch jetzt die ganze Seele füllt,
Es waren die Gestalten jener Welt,
Die sich lebendig, rastlos, ungeheuer
Um Einen grossen, einzig klugen Mann
Gemessen dreht und ihren Lauf vollendet,
Den Ihr der Halbgott vorzuschreiben wagt.
Begierig horcht ich auf, vernahm mit Lust
Die sichern Worte des erfahrnen Mannes;
Doch ach! je mehr ich horchte, mehr und mehr
Versank ich vor mir selbst, ich fürchtete
Wie Echo an den Felsen zu verschwinden,
Ein Widerhall, ein Nichts mich zu verlieren.

PRINZESSIN
Und schienst noch kurz vorher so rein zu fühlen,
Wie Held und Dichter füreinander leben,
Wie Held und Dichter sich einander suchen,
Und keiner je den andern neiden soll?
Zwar herrlich ist die liedeswerte Tat,
Doch schön ist's auch, der Taten stärkste Fülle
Durch würd'ge Lieder auf die Nachwelt bringen.
Begnüge dich aus einem kleinen Staate,
Der dich beschützt, dem wilden Lauf der Welt,
Wie von dem Ufer, ruhig zuzusehn.

TASSO
Und sah ich hier mit Staunen nicht zuerst,
Wie herrlich man den tapfern Mann belohnt?
Als unerfahrner Knabe kam ich her,
In einem Augenblick, da Fest auf Fest
Ferrara zu dem Mittelpunkt der Ehre
Zu machen schien. O! welcher Anblick war's!
Den weiten Platz, auf dem in ihrem Glanze
Gewandte Tapferkeit sich zeigen sollte,
Umschloss ein Kreis, wie ihn die Sonne nicht
So bald zum zweiten Mal bescheinen wird.
Es sassen hier gedrängt die schönsten Frauen,
Gedrängt die ersten Männer unsrer Zeit.
Erstaunt durchlief der Blick die edle Menge;
Man rief: Sie alle hat das Vaterland,
Das Eine, schmale, meerumgebne Land,
Hierher geschickt. Zusammen bilden sie
Das herrlichste Gericht, das über Ehre,
Verdienst und Tugend je entschieden hat.
Gehst du sie einzeln durch, du findest keinen,
Der seines Nachbarn sich zu schämen brauche! -
Und dann eröffneten die Schranken sich.
Da stampften Pferde, glänzten Helm und Schilde,
Da drängten sich die Knappen, da erklang
Trompetenschall, und Lanzen krachten splitternd,
Getroffen tönten Helm und Schilde, Staub,
Auf einen Augenblick, umhüllte wirbelnd
Des Siegers Ehre, des Besiegten Schmach.
O lass mich einen Vorhang vor das ganze,
Mir allzu helle Schauspiel ziehen, dass
In diesem schönen Augenblicke mir
Mein Unwert nicht zu heftig fühlbar werde.

PRINZESSIN
Wenn jener edle Kreis, wenn jene Taten
Zu Müh und Streben damals dich entflammten,
So konnt ich, junger Freund, zu gleicher Zeit
Der Duldung stille Lehre dir bewähren.
Die Feste, die du rühmst, die hundert Zungen
Mir damals priesen und mir manches Jahr
Nachher gepriesen haben, sah ich nicht.
Am stillen Ort, wohin kaum unterbrochen
Der letzte Widerhall der Freude sich
Verlieren konnte, musst ich manche Schmerzen
Und manchen traurigen Gedanken leiden.
Mit breiten Flügeln schwebte mir das Bild
Des Todes vor den Augen, deckte mir
Die Aussicht in die immer neue Welt.
Nur nach und nach entfernt' es sich, und liess
Mich, wie durch einen Flor, die bunten Farben
Des Lebens, blass doch angenehm, erblicken.
Ich sah lebend'ge Formen wieder sanft sich regen.
Zum ersten Mal trat ich, noch unterstützt
Von meinen Frauen, aus dem Krankenzimmer,
Da kam Lucretia voll frohen Lebens
Herbei und führte dich an ihrer Hand.
Du warst der Erste, der im neuen Leben
Mir neu und unbekannt entgegentrat.
Da hofft ich viel für dich und mich, auch hat
Uns bis hierher die Hoffnung nicht betrogen.

TASSO
Und ich, der ich betaubt von dem Gewimmel
Des drängenden Gewühls, von so viel Glanz
Geblendet, und von mancher Leidenschaft
Bewegt, durch stille Gänge des Palasts
An deiner Schwester Seite schweigend ging,
Dann in das Zimmer trat, wo du uns bald
Auf deine Fraun gelehnt erschienest - Mir
Welch ein Moment war dieser! O! Vergib!
Wie den Bezauberten von Rausch und Wahn
Der Gottheit Nähe leicht und willig heilt;
So war auch ich von aller Phantasie,
Von jeder Sucht, von jedem falschen Triebe
Mit Einem Blick in deinen Blick geheilt.
Wenn unerfahren die Begierde sich
Nach tausend Gegenständen sonst verlor,
Trat ich beschämt zuerst in mich zurück,
Und lernte nun das Wünschenswerte kennen.
So sucht man in dem weiten Sand des Meers
Vergebens eine Perle, die verborgen
In stillen Schalen eingeschlossen ruht.

PRINZESSIN
Es fingen schöne Zeiten damals an,
Und hätt uns nicht der Herzog von Urbino
Die Schwester weggeführt, uns wären Jahre
Im schönen ungetrübten Glück verschwunden.
Doch leider jetzt vermissen wir zu sehr
Den frohen Geist, die Brust voll Mut und Leben,
Den reichen Witz der liebenswürd'gen Frau.

TASSO
Ich weiss es nur zu wohl, seit jenem Tage
Da sie von hinnen schied, vermochte dir
Die reine Freude niemand zu ersetzen.
Wie oft zerriss es meine Brust! Wie oft
Klagt ich dem stillen Hain mein Leid um dich!
Ach! rief ich aus, hat denn die Schwester nur
Das Glück, das Recht, der Teuern viel zu sein?
Ist denn kein Herz mehr wert, dass sie sich ihm
Vertrauen dürfte, kein Gemüt dem ihren
Mehr gleich gestimmt? Ist Geist und Witz verloschen?
Und war die Eine Frau, so trefflich sie
Auch war, denn alles? Fürstin! o verzeih!
Da dacht ich manchmal an mich selbst und wünschte
Dir etwas sein zu konnen. Wenig nur,
Doch etwas, nicht mit Worten, mit der Tat
Wünscht ich's zu sein, im Leben dir zu zeigen,
Wie sich mein Herz im Stillen dir geweiht.
Doch es gelang mir nicht, und nur zu oft
Tat ich im Irrtum was dich schmerzen musste,
Beleidigte den Mann, den du beschütztest,
Verwirrte unklug was du lösen wolltest,
Und fühlte so mich stets im Augenblick,
Wenn ich mich nahen wollte, fern und ferner.

PRINZESSIN
Ich habe, Tasso, deinen Willen nie
Verkannt, und weiss wie du dir selbst zu schaden
Geschäftig bist. Anstatt dass meine Schwester
Mit jedem, wie er sei, zu leben weiss,
So kannst du selbst nach vielen Jahren kaum
In einen Freund dich finden.

TASSO
..........................................Tadle mich!
Doch sage mir hernach, wo ist der Mann?
Die Frau? mit der ich wie mit dir
Aus freiem Busen wagen darf zu reden.

PRINZESSIN
Du solltest meinem Bruder dich vertraun.

TASSO
Er ist mein Fürst! - Doch glaube nicht, dass mir
Der Freiheit wilder Trieb den Busen blähe.
Der Mensch ist nicht geboren frei zu sein,
Und für den Edeln ist kein schöner Glück,
Als einem Fürsten, den er ehrt, zu dienen.
Und so ist er mein Herr, und ich empfinde
Den ganzen Umfang dieses grossen Worts.
Nun muss ich schweigen lernen wenn er spricht,
Und tun wenn er gebietet, mögen auch
Verstand und Herz ihm lebhaft widersprechen.

PRINZESSIN
Das ist der Fall bei meinem Bruder nie.
Und nun, da wir Antonio wieder haben,
Ist dir ein neuer kluger Freund gewiss.

TASSO
Ich hofft es ehmals, jetzt verzweifl' ich fast.
Wie lehrreich wäre mir sein Umfang, nützlich
Sein Rat in tausend Fällen! Er besitzt,
Ich mag wohl sagen, alles was mir fehlt.
Doch - haben alle Götter sich versammelt
Geschenke seiner Wiege darzubringen,
Die Grazien sind leider ausgeblieben,
Und wem die Gaben dieser Holden fehlen,
Der kann zwar viel besitzen, vieles geben,
Doch lässt sich nie an seinem Busen ruhn.

PRINZESSIN
Doch lässt sich ihm vertraun, und das ist viel.
Du musst von Einem Mann nicht alles fordern,
Und dieser leistet was er dir verspricht.
Hat er sich erst für deinen Freund erklärt,
So sorgt er selbst für dich wo du dir fehlst.
Ihr müsst verbunden sein! Ich schmeichle mir
Dies schöne Werk in kurzem zu vollbringen.
Nur widerstehe nicht wie du es pflegst!
So haben wir Lenoren lang besessen,
Die fein und zierlich ist, mit der es leicht
Sich leben lässt; auch dieser hast du nie,
Wie sie es wünschte, näher treten wollen.

TASSO
Ich habe dir gehorcht, sonst hätt ich mich
Von ihr entfernt anstatt mich ihr zu nahen.
So liebenswürdig sie erscheinen kann,
Ich weiss nicht wie es ist, konnt ich nur selten
Mit ihr ganz offen sein, und wenn sie auch
Die Absicht hat, den Freunden wohl zu tun,
So fühlt man Absicht und man ist verstimmt.

PRINZESSIN
Auf diesem Wege werden wir wohl nie
Gesellschaft finden, Tasso! Dieser Pfad
Verleitet uns durch einsames Gebüsch,
Durch stille Täler fortzuwandern; mehr
Und mehr verwöhnt sich das Gemüt, und strebt
Die goldne Zeit, die ihm von aussen mangelt,
In seinem Innern wieder herzustellen,
So wenig der Versuch gelingen will.

TASSO
O welches Wort spricht meine Fürstin aus!
Die goldne Zeit, wohin ist sie geflohn,
Nach der sich jedes Herz vergebens sehnt?
Da auf der freien Erde Menschen sich
Wie frohe Herden im Genuss verbreiteten;
Da ein uralter Baum auf bunter Wiese
Dem Hirten und der Hirtin Schatten gab,
Ein jüngeres Gebüsch die zarten Zweige
Um sehnsuchtsvolle Liebe traulich schlang;
Wo klar und still auf immer reinem Sande
Der weiche Fluss die Nymphe sanft umfing;
Wo in dem Grase die gescheuchte Schlange
Unschädlich sich verlor, der kühne Faun
Vom tapfern Jüngling bald bestraft entfloh;
Wo jeder Vogel in der freien Luft
Und jedes Tier durch Berg und Täler schweifend
Zum Menschen sprach: erlaubt ist was gefällt.

PRINZESSIN
Mein Freund, die goldne Zeit ist wohl vorbei:
Allein die Guten bringen sie zurück;
Und soll ich dir gestehen wie ich denke,
Die goldne Zeit, womit der Dichter uns
Zu schmeicheln pflegt, die schöne Zeit, sie war,
So scheint es mir, so wenig als sie ist,
Und war sie je, so war sie nur gewiss,
Wie sie uns immer wieder werden kann.
Noch treffen sich verwandte Herzen an
Und teilen den Genuss der schönen Welt;
Nur in dem Wahlspruch ändert sich, mein Freund,
Ein einzig Wort: erlaubt ist was sich ziemt.

TASSO
O wenn aus guten, edlen Menschen nur
Ein allgemein Gericht bestellt entschiede,
Was sich denn ziemt! Anstatt dass jeder glaubt,
Es sei auch schicklich was ihm nützlich ist.
Wir sehn ja, dem Gewaltigen, dem Klugen
Steht alles wohl, und er erlaubt sich alles.

PRINZESSIN
Willst du genau erfahren was sich ziemt;
So frage nur bei edlen Frauen an.
Denn ihnen ist am meisten dran gelegen,
Dass alles wohl sich zieme was geschieht.
Die Schicklichkeit umgibt mit einer Mauer
Das zarte leicht verletzliche Geschlecht.
Wo Sittlichkeit regiert, regieren sie,
Und wo die Frechheit herrscht, da sind sie nichts.
Und wirst du die Geschlechter beide fragen:
Nach Freiheit strebt der Mann, das Weib nach Sitte.

TASSO
Du nennest uns unbändig, roh, gefühllos?

PRINZESSIN
Nicht das! Allein ihr strebt nach fernen Gütern,
Und euer Streben muss gewaltsam sein.
Ihr wagt es, für die Ewigkeit zu handeln,
Wenn wir ein einzig nah beschränktes Gut
Auf dieser Erde nur besitzen möchten,
Und wünschen, dass es uns beständig bliebe.
Wir sind von keinem Männerherzen sicher,
Das noch so warm sich einmal uns ergab.
Die Schönheit ist vergänglich, die ihr doch
Allein zu ehren scheint. Was übrig bleibt,
Das reizt nicht mehr, und was nicht reizt, ist tot.
Wenn's Manner gäbe, die ein weiblich Herz
Zu schätzen wüssten, die erkennen möchten,
Welch einen holden Schatz von Treu und Liebe
Der Busen einer Frau bewahren kann,
Wenn das Gedächtnis einzig schöner Stunden
In euren Seelen lebhaft bleiben wollte,
Wenn euer Blick, der sonst durchdringend ist,
Auch durch den Schleier dringen könnte, den
Uns Alter oder Krankheit überwirft,
Wenn der Besitz, der ruhig machen soll,
Nach fremden Gütern euch nicht lüstern machte:
Dann wär uns wohl ein schöner Tag erschienen,
Wir feierten dann unsre goldne Zeit.

TASSO
Du sagst mir Worte, die in meiner Brust
Halb schon entschlafne Sorgen mächtig regen.

PRINZESSIN
Was meinst du, Tasso? rede frei mit mir.

TASSO
Oft hört ich schon, und diese Tage wieder
Hab ich's gehört, ja hätt ich's nicht vernommen,
So müsst ich's denken: edle Fürsten streben
Nach deiner Hand! Was wir erwarten müssen,
Das fürchten wir und möchten schier verzweifeln,
Verlassen wirst du uns, es ist natürlich;
Doch wie wir's tragen wollen, weiss ich nicht.

PRINZESSIN
Für diesen Augenblick seid unbesorgt!
Fast möcht ich sagen: unbesorgt für immer.
Hier bin ich gern und gerne mag ich bleiben;
Noch weiss ich kein Verhältnis, das mich lockte;
Und wenn ihr mich denn ja behalten wollt,
So lasst es mir durch Eintracht sehn, und schafft
Euch selbst ein glücklich Leben, mir durch euch.

TASSO
O lehre mich das Mögliche zu tun!
Gewidmet sind dir alle meine Tage.
Wenn dich zu preisen, dir zu danken sich
Mein Herz entfaltet, dann empfind ich erst
Das reinste Glück, das Menschen fühlen können.
Das göttlichste erfuhr ich nur in dir.
So unterscheiden sich die Erdengötter
Vor andern Menschen, wie das hohe Schicksal
Vom Rat und Willen selbst der klügsten Männer
Sich unterscheidet. Vieles lassen sie,
Wenn wir gewaltsam Wog auf Woge sehn,
Wie leichte Wellen, unbemerkt vorüber
Vor ihren Füssen rauschen, hören nicht
Den Sturm, der uns umsaust und niederwirft,
Vernehmen unser Flehen kaum, und lassen,
Wie wir beschränkten armen Kindern tun,
Mit Seufzern und Geschrei die Luft uns füllen.
Du hast mich oft, o Göttliche, geduldet,
Und wie die Sonne, trocknete dein Blick
Den Tau von meinen Augenlidern ab.

PRINZESSIN
Es ist sehr billig, dass die Frauen dir
Aufs Freundlichste begegnen, es verherrlicht
Dein Lied auf manche Weise das Geschlecht.
Zart oder tapfer, hast du stets gewusst
Sie liebenswert und edel vorzustellen:
Und wenn Armide hassenswert erscheint,
Versöhnt ihr Reiz und ihre Liebe bald.

TASSO
Was auch in meinem Liede widerklingt,
Ich bin nur Einer, Einer alles schuldig!
Es schwebt kein geistig unbestimmtes Bild
Vor meiner Stirne, das der Seele bald
Sich überglänzend nahte, bald entzöge.
Mit meinen Augen hab ich es gesehn,
Das Urbild jeder Tugend, jeder Schöne;
Was ich nach ihm gebildet, das wird bleiben:
Tancredens Heldenliebe zu Chlorinden,
Erminiens stille nicht bemerkte Treue,
Sophroniens Grossheit und Olindens Not.
Es sind nicht Schatten, die der Wahn erzeugte,
Ich weiss es, sie sind ewig, denn sie sind.
Und was hat mehr das Recht, Jahrhunderte
Zu bleiben und im Stillen fortzuwirken,
Als das Geheimnis einer edlen Liebe,
Dem holden Lied bescheiden anvertraut?

PRINZESSIN
Und soll ich dir noch einen Vorzug sagen,
Den unvermerkt sich dieses Lied erschleicht?
Es lockt uns nach und nach, wir hören zu,
Wir hören und wir glauben zu verstehn,
Was wir verstehn, das können wir nicht tadeln,
Und so gewinnt uns dieses Lied zuletzt.

TASSO
Welch einen Himmel öffnest du vor mir,
O Fürstin! Macht mich dieser Glanz nicht blind,
So seh ich unverhofft ein ewig Glück
Auf goldnen Strahlen herrlich niedersteigen.

PRINZESSIN
Nicht weiter, Tasso! Viele Dinge sind's,
Die wir mit Heftigkeit ergreifen sollen:
Doch andre können nur durch Mässigung
Und durch Entbehren unser Eigen werden.
So, sagt man, sei die Tugend, sei die Liebe,
Die ihr verwandt ist. Das bedenke wohl!

Act II, Scene 1
The hall - Princess, Tasso.


TASSO
I follow you with unsure steps, Princess,
for in my heart extreme disordered thoughts
are raging out of all control, I fear.
Solitude is beckoning, whispering
sweet words: come to me, I will still the doubts
that suddenly have sprung up in your breast.
But if I should catch sight of you, or if
I hear a single word your lips have uttered,
then a new dawn flows around my soul
and all my bonds are loosened - I am free.
I gladly will admit to you, that man
who unexpectedly approached us woke
me cruelly from a most delightful dream.
His manner and his words had such a strange
effect on me, as never before I felt
that there were two of me, and that I now
was in confusing conflict with myself.

PRINCESS
When an old friend who has been away
a long time, leading a life we do not know,
comes back, it is not possible that he
can be just as he was to us in the past.
But in his deepest heart he has not changed,
and if we spend a few more days with him
then gradually the strings will be retuned
until the joy of beautiful harmony
binds them together again. And then when he
knows better what in these days you have achieved,
he certainly will place you at the side
of that great poet whom just now he set
against you as an overshadowing giant.

TASSO
Ah, Princess, the praise of Ariosto
from his lips delighted me much more
than it offended me. It is a comfort
to know the man we hold up as a model
to ourselves is held in such esteem by others.
Quietly, deep inside our hearts, we say:
if you achieve a fraction of his worth,
you will surely have a fraction of his fame.
No, what moved my heart in me the most,
what even now entirely fills my soul,
is that world with its many varied forms
that vast, unceasing, full of life revolves
around one great uniquely gifted man,
respectfully, and finishes the course
the demi-god was bold enough to prescribe.
I listened eagerly, heard with delight
the confident words of that experienced man.
But, ah! the more I heard, the more and more
I sank, I lost myself, I feared that I
like Echo on the rocks would disappear
and lose myself, a resonance, a nothing.

PRINCESS
And yet just now you seemed to feel so clearly
how the hero and poet live for each other,
how the hero and poet look for each other,
and neither should feel any touch of envy?
Certainly the heroic deed is glorious,
but it is also fine to give that deed
its full expression in eternity
by worthy songs. Be satisfied to see
from this small state that gives you its protection
the world's wild course, as from a riverbank.

TASSO
And did I not just now see with surprise
how splendidly the brave man is rewarded?
I came here as an inexperienced boy
at a time when many splendid celebrations
seemed to put Ferrara at the centre
of fame and honour. What a sight it was!
The broad square where the assembled heroes all
appeared to the public in their bright array
contained a circle that the sun will not
so soon bless with its rays a second time.
The greatest beauties sat here crowded together,
and crowded too the best men of our time.
That noble throng astonished every eye.
They cried: "All these have been sent here to us
by our Fatherland, that single, tiny island.
Together they make up the finest jury
that ever sat in judgement on awards
for honour, virtue and sublime achievements.
Look at each of them, you will not find
any one who need be ashamed of his neighbour!" -
And then the gates were opened to the arena.
The horses stamped, and shields and helmets glistened,
the squires came in their throngs, and there rang out
a blast of trumpets, lances crashed and splintered,
striking shields and helmets that resounded,
and of a sudden dust in clouds surrounded
the victor's honour, the defeated's shame.
O, let me draw a curtain over all
this picture that I find too clear and bright,
so that in this happy moment I
be not oppressed by my unworthiness.

PRINCESS
If that noble circle and those deeds
inspired you then to intensify your efforts,
then, my young friend, on the other hand
I can point out the quiet lesson of patience.
These great celebrations that you praise
- as too did many hundred others then
and in the following years - I never saw.
For in a quiet place where year on year
joy's every echo would be lost without trace,
I had to suffer many physical pains
and was beset by many sorrowful thoughts.
Often the vision of Death on his broad wings
would float before my eyes and hide for me
the vista of the ever-changing world.
Then gradually it left me and allowed me
as through a veil of flowers, to catch a glimpse
of life's bright colours, palely seen but pleasing.
I could see living, stirring forms again,
Then came the time when I could leave my sick-room,
still supported by my serving-women,
and dear Lucretia, full of joyous life,
arrived to see me, leading you by the hand.
In that new life of mine you were the first
that I set eyes on as a new acquaintance.
I had great hopes for you and me, and these
for us 'til now have not been disappointed.

TASSO
And I was dazed by all that milling throng,
and blinded by the array of dazzling splendour.
Many passions moved me as I walked
at your sister's side, not saying a single word,
along the silent corrridors of the palace.
Then we came into the room where you
appeared to us, supported by your women.
What a moment that was! - O, please forgive me!
The man possessed by mad intoxication
is quickly cured by the presence of a god.
And so it was for me: my fantasies,
all my desires and all my errant urges -
when once my eyes met your eyes they were healed.
If in my inexperience my desires
were wasted on a thousand different objects,
now I looked with shame into my heart
and learned to recognise the highest values.
So in the ocean's vast expanse of sand
we seek in vain a pearl, that lies concealed
and tightly closed up in its silent shell.

PRINCESS
That was the start of a very happy time,
and if the Duke of Urbino had not then
taken away our sister we should have enjoyed
many years of pure untroubled joy.
But now we suffer from the absence of
that kind and witty lady, who spread joy
from a heart so full of courage and of life.

TASSO
I know it all too well, for since that day
when she departed, no-one could replace
for you the happiness you knew with her.
How that gnawed at my heart! So I would go
to a quiet grove to still my suffering.
Ah! I would cry, is it a sister's right
and joy to be important to my dear one?
Does no other heart deserve her trust,
is there no other soul that is attuned
so well with hers? And is there no more room
for wit and fun? And was that person all -
however excellent? Forgive me, Princess!
Then I often thought of myself and wished
to mean something to you. Not very much,
but something, not in words alone, in deeds
I wanted this, to show you in real life
how dedicated was my heart to you.
But I did not succeed, and all too often
I did in error things that caused you pain,
offended someone under your protection,
confused some problem you desired to solve,
and so whenever I wanted to come closer
I felt myself more distant than before.

PRINCESS
I always recognised your good will, Tasso -
I know you are often your worst enemy.
In contrast to my sister, who is able
to live with anyone, whatever his nature,
you after so many years even now have hardly
one friend to your name.

TASSO
.....................................Yes, you can blame me!
But then just tell me, where do I find that man
or woman to whom I would dare to speak out
from my deepest heart, as I can with you?

PRINCESS
You should have every confidence in my brother.

TASSO
He is my sovereign! But you must not think
a mad desire for freedom fills my breast.
I know that man is not born to be free,
and for a noble spirit nothing is finer
than to serve a prince he holds in honour.
And so he is my Lord, and I feel deeply
every implication of that word.
I must learn to be silent when he speaks,
and do what he commands, even if my heart
and understanding contradict his wish.

PRINCESS
But with my brother that can never be.
And now we have Antonio back with us
you will certainly have an intelligent new friend.

TASSO
I used to hope so, now I have some doubts.
I could learn much from his society,
and his advice could often be of use.
He has, I may say, everything I lack.
But if all the Gods together came
to bring their gifts when he was in his cradle,
the Graces were unfortunately absent,
and if you lack the gifts of these fair spirits
you may be rich, you may be generous,
but others never find in you their comfort.

PRINCESS
At least he can be trusted, that is important.
From one man you must not ask everything
and this one will deliver what he promises.
If he has declared himself your friend
he will look after you when you cannot.
You must be brought together! I flatter myself
that I can soon fulfil this happy task.
Just do not oppose me as you often do!
For a long time we have had Leonora,
who is most attractive and good company.
But even with her you never tried to build
the intimate friendship she so much desired.

TASSO
I listened to you, otherwise I should
have run away instead of getting closer.
However kind and charming she may seem,
I do not know how it is, but I was seldom
able to confide in her, whenever
she intends to do a favour for a friend,
the intention is so obvious he is put out.

PRINCESS
If you go on like this we shall never find
more company, for if we take this path
we shall travel on through lonely undergrowth
and silent valleys; more and more our souls
will lose their proper way, and we shall be tempted
to seek to recreate inside ourselves
the golden age that is missing in real life,
however hopeless that desire may be.

TASSO
What are these words from my Princess's mouth?
Where is the golden age, that every heart
is longing for in vain, where has it fled?
- When man spread over all the Earth without
a care, like happy flocks and herds;
when on the flowered meadow an ancient tree
gave shade to the shepherd and the shepherdess;
and new-green bushes cast their tender stalks
comfortingly round the yearning lovers;
where clear and bright on ever-shining sands
the flowing river gently caressed the nymph;
where in the grass the serpent put to flight
safely found a hiding-place, the faun
fled to escape the bold youth's punishment;
where all the birds that flew in the balmy air
and every beast that roamed the hills and vales
said to Man: what pleases is allowed.

PRINCESS
My friend, I think that Golden Age is past -
It is just that good folk want to bring it back;
but I will explain to you what I am thinking:
the Golden Age, which poets used to sing
to encourage us, that glorious time existed,
so I believe, as little then as now.
And if it ever was, then it was surely
only what it still can be for us.
We still can meet a sympathetic heart
and share the pleasures of this lovely world.
But in the message you just gave I would change
one single word: what is decent is allowed.

TASSO
If only we could have a general court
of good and noble men, who could decide
on what is decent. Now we all believe
that what is useful to us must be seemly.
We see that for the powerful and clever
all is well, and they do what they want.

PRINCESS
If you really want to know what is seemly,
then you will do best to question noble ladies,
for they are the ones for whom it is most important
that everything that happens should be decent.
Propriety surrounds with a high stone wall
the tender sex, who are always vulnerable.
Where morality is strong, they rule,
where impudence goes unchecked they are nothing.
If you ask each sex what they most need,
then men seek freedom, women want good morals.

TASSO
You think we are rough, unbridled, lacking feeling?

PRINCESS
No, not that. You aim for distant goals,
and so your efforts must be powerful.
You are bold enough to strive for eternity,
while we are content upon this Earth to seek
a single small possession we can hold,
and hope that we shall never have to lose it.
We are never sure of the heart of a man,
however warmly it surrendered to us.
Beauty does not last for ever, though
that is all you seem to prize. What then is left
has no more charm, and without charm is dead.
If only there were some men who could treasure
a woman's heart, men who could recognise
what a blessèd store of constant love
the bosom of a woman can contain.
If only memories of perfect times
together could stay undimmed in your souls;
if your sharp eye, that can in other ways
be so perceptive, could but pierce the veil
that is cast upon us by old age or sickness;
if possessions that should satisfy you
did not make you covet others' goods -
then a wondrous day would dawn for us
and we should celebrate our Golden Age.

TASSO
Your words have reawakened in my breast
disturbing cares that I thought had been stilled.

PRINCESS
What do you mean - explain that to me please.

TASSO
I have often heard in the past, and recently
I heard again - but even if I had not
I still would have to expect it: noble princes
are striving for your hand! What we expect
we fear, and we are cast into despair.
You will leave us, that is of course quite natural,
but how we shall endure it I do not know.

PRINCESS
For the present you need have no fear!
I could almost say you never need to fear.
I am glad to be here, and I want to stay.
I have no lover to attract me away,
and if you really want to keep me here,
then be in harmony and make yourselves
a happy life, then I shall be happy too.

TASSO
Just teach me to do what is possible.
My days are dedicated all to you.
When my heart opens up to sing your praise,
to give you thanks, then I experience
the purest bliss that any man could feel.
Only in you I touched divinity.
Earthly gods are distinct from other humans
in the same way as our eternal fate
is different from the thoughts and desires of even
the cleverest men. When we see mighty waves
crash in on us, they often let things pass
like ripples that flow past their feet unnoticed
with just a murmur, and they do not hear
the storm that whistles round us, casts us down,
they hardly hear our pleas, all we can do,
like the poor benighted children that we are,
is fill the air with sighs and cries and howls.
My goddess, you have often had to endure
my moods, and like the sun your warming glance
has dried the dew from my poor weeping eyelids.

PRINCESS
It is quite right that women come to you
and give you friendship, for in many ways
your poems add much splendour to our sex.
Whether they are delicate or bold
you always show them noble and endearing -
and if Armida seems at first quite hateful,
soon her charm and love make up for this.

TASSO
Everything that resonates in my songs
is entirely due to one, just one alone!
There is no vague mental image in my mind,
floating by my brain, that now and then
approaches, dazzling, and then moves away.
For I have seen with these my own two eyes
the epitome of beauty and every virtue.
Any work that is based on this will last.
Tancred's heroic love for his Clorinda,
Erminia's unnoticed quiet devotion,
Sophronia's greatness and Olinda's need.
These are not shadows born of my delusion,
I know they are eternal, for they are.
And what then can have more right to survive
for centuries and quietly work its magic
than the secret of a noble love,
that is modestly confided to a song?

PRINCESS
And shall I tell you of another virtue
that this song has purloined for itself?
It lures us on, we listen carefully,
we listen and believe we understand,
and what we understand we cannot blame,
and so it wins us over in the end.

TASSO
What a heaven you open there for me,
Princess! If this glory does not blind me,
I see eternal joy beyond my hopes
descend on golden sunbeams in its splendour.

PRINCESS
Tasso, that is enough! There are many things
that we should grasp enthusiastically,
but others only can by moderation
and renunciation become ours.
So, they say, is virtue, so is love,
and they are close related - think of that!
(Exit Princess)

Trans. copyright © Brian Cole 2006

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