| VAN GOGH GEHT ZUR ARBEIT | VAN GOGH GOES TO WORK |
| Anne Duden | trans. Elsie Callander |
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Van Gogh geht zur Arbeit auf steiler abschüssiger Bahn. Der Boden brennt ihm unter den Füssen in kühler Dunkelheit. Eine immer schneller sich bewegende Lavamasse sein Wohnort. Feuerball, flüssige Sonne. Nicht anhalten, weiter. Von einem Fuss auf den andern. Nicht stehen- sitzen- liegenbleiben. Alles versengt. Ein Skifahrer bei der Abfahrt auf rotglühender Piste. Zur Arbeit. Und immer entlang dieser schwarzen Luft in die er eingehen wird - als Rauch - nach getaner Arbeit. Oder eher. Weiter. Zur Arbeit. Nichts anderes geht mehr. Schon das leichteste Feldbett würde in der kreisenden Hitze versinken und sich spurlos verflüssigen. Wirklich. Seine Glieder dürfen nie wieder weich werden. Nie mehr darf er sich hinlegen. Nie eine einzige Ruhe finden. Es ist kein Licht. Neben dem Glutstrom nichts als uferlose Kaltluft. Wer wirft denn den verkrüppelten Schatten hinter und unter ihn. Oder kommt er schon ins Rutschen. Ist dies schon die Sengspur des sich ankündenden Sturzes. Geh schneller, van Gogh, zur Arbeit. Lauf. Es ist vielleicht gerade noch Zeit zwischen Vereisen und Verglühen. Kein Zweifel, er wird sich ums Leben laufen bei diesen Arbeitsbedingungen. Noch ein paar Bilder kopfüber mit dem Flammenwerfer gemalt immer noch einmal gegen die letzte Mauer, die Leinwand. Sein Gepäck will nicht leichter werden. Er müsste sich selber durchbrennen wie ein Blutvergiesser sich hinfeuern mit Haut und Haar. Dann - es ist schon passiert - geht ein dunkles, in alle Richtungen sich dehnendes Blau das sommerliche Bewölkung nur teilweise abdeckt mit gelbgrünen Feldern und Wiesen ihm auf bis zum Horizont. Aus diesem Bild kommt keiner mehr lebend heraus. Bis in die Mitte muss er gehen sich einwühlen, an der Faltachse aufschlagen oder sich zerquetschen in der plötzlichen Enge. Die Erde reicht zu hoch, der Himmel zu tief. Er sieht die Wolkenschweife noch hektisch das Bild fliehen das stärkste Blau immer hohler werden. Er müsste hindurch. Ganz vorn noch und winzig schon im Rücken die Ansammlung roter Blumenköpfe. Wie ein Fangeisen schlägt es über ihm zusammen. Er ist zu weit gegangen. Van Gogh ist tot. Bei der Arbeit gestorben. Sein Rauch steigt auf in die Kaltluft. Sein Krüppelschatten kreist weiter auf unendlicher Umlaufbahn. |
Van Gogh goes to work on a steep downward slope. The ground burns under his feet in cool darkness. An ever faster moving mass of lava his dwelling. Ball of fire, liquid sun. Never let up, on and on. From one foot on to the other. Not stopping, sitting or lying down. Everything scorching. A skier taking off on a glowing red track. To work. And ever along this black air into which he will melt away - as smoke - work duly done. Or sooner. On and on. To work. Nothing else will do now. Even the lightest camp-bed would sink in the spinning heat and dissolve without trace. Truly. Never again can his limbs be soft. Never again can he lie down. Never again stop to rest. There is no light. Beside the blazing stream only boundless cold air. Who then throws the stunted shadow behind and under him. Or is he already beginning to slip. Is this already the sweltering track, harbinger of his fall? Go faster, Van Gogh, to work. Run. There's perhaps just time yet between congealing and burning out. He will run his life out in these working conditions. There's no doubt. A few more pictures painted slapdash with the flame-thrower always one more onslaught against the final wall, the canvas. His load will not get lighter. He would have to set himself alight like a bloodshedder cast himself headlong on the stake. Then - it has already happened - a dark blue expanding in all directions only partly blanketed by summer clouds unfolds before him right to the horizon with yellow-green fields and meadows. From this picture no-one emerges alive. Right to the mid-point he must go burrow his way in, strike at the centre line or squeeze himself in the sudden tightness. The earth reaches too high, the sky too low. He sees the last trailing clouds hectically fleeing the picture the deepest blue ever hollower. He must get through. Right in front yet now tiny in the rear the massing of red flower heads. Like an iron trap it closes in on him. He has gone too far. Van Gogh is dead. Died in harness. His smoke rises into the cold air. His crippled shadow goes on gyrating in an endless orbit. |
Copyright © Anne Duden, publ. Kiepenheuer und Witsch, Cologne; trans. copyright © Elsie Callander 2002